Katharina Kardorff-Oheimb

„Die Poli­ti­ke­rin in mir ist auch heute nicht zur Ruhe gekom­men...“


Katha­rina (Kathinka) von Kar­dorff-Oheimb
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Vera Tietz, GB

Als Politikerin, Publizistin und mondäne Villenbesitzerin brachte sie Glanz in die alte Kaiserstadt Goslar. Katharina von Kardorff-Oheimb organisierte nach Einführung des Frauenwahlrechts politische Ausbildungskurse für Frauen, gehörte für die Deutsche Volkspartei dem Deutschen Reichstag (1920-1924) an und führte in Berlin einen anerkannten politischen Salon. Sie engagierte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung und schlug u. a. die Einführung von Frauenlisten bei Wahlen vor.

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Lebenslauf

Die „Politikerin aus Leidenschaft“ und mondäne Villenbesitzerin Katharina von Kardorff-Oheimb war eine begnadete Netzwerkerin, die frischen Glanz in die alte Kaiserstadt Goslar brachte

Herkunft und Familie

Geboren wurde Katharina Franziska Paula Maria „Kathinka“ van Endert am 2. Januar 1879 in Neuss am Rhein, als Tochter einer Unternehmerfamilie für Möbel- und Seidenwaren. Als ihr Vater Rudolf van Endert früh verstarb, führte ihre Mutter den Betrieb weiter und sicherte so das Auskommen der Familie.

Kathinka erhielt eine ausgezeichnete Schulbildung und unternahm Bildungsreisen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern. Mit 19 Jahren heiratete sie Dr. Felix Daelen, einen Ingenieur und späteren Inhaber der Glyco-Metallgesellschaft. Während der Ehe gebar sie vier Kinder, von denen jedoch der Sohn Paul Felix aus einer außerehelichen Beziehung mit ihrem zweiten Ehemann stammte. Ihre erste Ehe wurde schuldhaft geschieden, das Sorgerecht für alle vier Kinder ihrem ersten Ehemann zugesprochen.

Mit ihrem zweiten Ehemann Ernst Albrecht hatte Kathinka zwei weitere Kinder. Ernst Albrecht verunglückte 1911 tödlich in den Dolomiten, und Kathinka setzte nach einem verbissenen Erbstreit mit dessen Familie durch, die Leitung der keramischen Fabriken der Chemischen Werke H. & E. Albert in Klingenberg am Main, Worms und Offstein zu übernehmen.

Ihre dritte Ehe ging sie ein Jahr später mit dem Rittergutsbesitzer Hans Joachim von Oheimb ein. Die Ehe wurde 1921 geschieden. Mit ihrem ehemaligen Fraktionskollegen im Reichstag Siegfried von Kardorff – in den späteren 1920er Jahren zweiter Vizepräsident des Reichstages – schloss sie 1927 ihre vierte Ehe

Politisches Engagement

Nach dem Ersten Weltkrieg trat Katharina von Oheimb in die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Schon früh formulierte sie:
„Weit mehr als die Hälfte aller Wähler sind Frauen! Und sie wählen fast hundertprozentig Männer, die teils mit, teils ohne Bewusstsein gegen die Interessen der Frauen Gesetze machen.“

Nachdem 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, bot Katharina von Kardorff-Oheimb in Goslar politische Ausbildungskurse für Frauen an, die Vorträge und praktische Übungen beinhalteten. Für ihre Kurse lud sie prominente Referierende aus der ganzen Republik ein. Sie selbst reiste ebenfalls als gefragte Rednerin durch deutsche Städte. Ihre Aktivitäten zeigten bald Wirkung weit über die Region hinaus, und ihre politische Karriere nahm Fahrt auf. Für die bürgerliche Frauenbewegung trat die Fabrikbesitzerin für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie für mehr Frauen in höheren Positionen des öffentlichen Dienstes ein. In öffentlichen Debatten nahm sie die rechtlichen und realen Diskriminierungen zum Anlass, um über die Notwendigkeit einer Frauenpartei nachzudenken und schlug 1931 letztlich die Einführung von Frauenlisten vor. Ihrer Auffassung nach sollten die Parteien zu Wahlen zwei Listen aufstellen, eine mit männlichen und eine mit weiblichen Kandidierenden.

1919 war sie Mitgründerin des Nationalverbandes Deutscher Frauen in Goslar. Der von Katharina von Oheimb verfasste Text der Gründungsschrift enthält folgenden Passus:
„Wir müssen fordern, dass die Frauen bei gleicher Leistung dasselbe verdienen wie die Männer. Wir müssen es durchsetzen, daß bei gleichem Bildungsgange den Beamtinnen, z.B. Lehrerinnen, Telegraphistinnen, Telephonistinnen und Angehörigen ähnlicher Berufe, der Aufstieg zu höheren Stellungen ebenso gut ermöglicht wird wie den Männern. Der Nationalbund muss darauf dringen, dass zum mindesten ein Drittel der Kommunalverwaltung von den Frauen vertreten wird, denn gerade für die Gemeindearbeit eignet sich die Frau ebenso gut, wenn nicht besser, wie der Mann.“

1920-1924 gehörte sie dem Deutschen Reichstag an. Die sechsfache Mutter wirkte an Gesetzen zur Jugendwohlfahrt mit, gründete mit einer Mitstreiterin zusammen den Bund für Mutterschutz und forderte höhere Strafen für Kindesmisshandlung.

Kathinka von Kardorff-Oheimb publizierte – bis die Nationalsozialisten ein Schreibverbot gegen sie verhängten – regelmäßig und viel, insbesondere mit Beiträgen in Zeitungen wie der Magdeburgischen Zeitung. Ein Jahrzehnt lang kommentierte sie in wöchentlichen Leitartikeln die politischen Probleme der Zeit. 1924 gründete sie die Allgemeine Bilderzeitung und fungierte als deren Herausgeberin und Verlegerin. In Berlin betrieb sie in der Zeit der Weimarar Republik außerdem einen der bedeutendsten politischen Salons. Sie gilt als Schöpferin des politischen Damenfrühstücks.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete Kardorff-Oheimbs politische Arbeit, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg erneut tätig wurde und kurze Zeit als Bürgermeisterin von Ahrensdorf wirkte, bis sie sich wieder parteipolitischen Aktivitäten zuwandte. 1949 zog sie nach Düsseldorf und trat dort 1961 in die FDP ein.

Am 22. März 1962 starb Katharina von Kardorff-Oheimb in Düsseldorf. Als begnadete Netzwerkerin brachte sie ein Leben lang führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zusammen.

Heute gilt eine effektive Netzwerkarbeit als wichtige Strategie für Frauen, um sich stärker in Gesellschaft und Beruf zu profilieren.

Kulturtouristische Angebote

Auf Kathinkas Spuren in Goslar
Flyer, Rundgänge, Vorträge, Seminare, Politischer Frauen-Salon, Exkursionen und Lesungen:
gleichstellungsstelle@goslar.de 


Stadtrundgang zum Selbstentdecken
> Faltblatt zum Download
Auch zum Bestellen über die Geschäftsstelle des Landesfrauenrates oder die Gleichstellungsstelle der Stadt Goslar.


Stadtführung
Frauen - M(m)acht - Politik
Meilensteine der Goslarer Frauengeschichte von Kaiserin Gisela bis Katharina von Kardorff-Oheimb
gleichstellungsstelle@goslar.de 


Hörbeitrag von NDR Kultur
Sie war vier Mal verheiratet, zwei Mal geschieden, zwei Mal verwitwet. Zudem war Katharina von Kardorff-Oheimb Politikerin, Publizistin, Unternehmerin, Jägerin und Mutter von vier Kindern.
> Ein Hörbeitrag von NDR Kultur


Weitere Informationen zu Katharina von Kardorff-Oheimb
> Gleichstellung Goslar


Literatur
Kathinka-Ecke
Ausgewählte Literatur zu Katharina von Kardorff-Oheimb und ihrer Zeit
in der Goslarer Stadtbücherei, Königstr. 2-4


Übernachtungsangebot
Kathinka-Studio
Hotel „Der Achtermann“, Rosentorstraße 20


Kathinka-Torte
kulinarisches Highlight im Café am Markt

Infotafel an der Goslarer Villa
Wohnhaus, Oberer Triftweg 30

 

Der frauenORT Katharina von Kardorff-Oheimb in Goslar entstand in Kooperation mit der Frauen-Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Goslar, der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft beim Landkreis Goslar, dem Geschichtsverein Goslar e.V. sowie der Stadt Goslar und wurde im September 2011 eröffnet.

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