Wilhelmine Siefkes

„Das Unrecht mit der Wur­zel zu besei­ti­gen ist nur möglich auf dem Weg über eine poli­ti­sche Par­tei..."

Wil­hel­mine...

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Die Not der Arbeiterkinder ließ sie handeln. Die Lehrerin und Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes thematisierte in ihren Werken häufig die drängendsten Probleme von Kindern und Jugendlichen. Um diese mit ihrer Literatur zu erreichen, schrieb sie in plattdeutscher Sprache. Ihre bekannteste Romanfigur ist der „Keerlke“. In den 20er Jahren engagierte sie sich auf für die Sozialdemokraten im Leeraner Stadtrat und veröffentlichte Artikel in der Zeitung „Volksbote“. Von den Nationalsozialisten 1933 mit einem Berufs- und Veröffentlichungsverbot belegt, schrieb sie unter einem Pseudonym weiter.

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Lebenslauf

Wilhelmine Siefkes kam im Jahr 1890 im Haus „Goldene Kuh“ in der Rathausstraße zur Welt, das zu den ältesten noch erhaltenen Häusern in Leer gehört. Das Haus war durch Siefke Harms Siefkes, Kaufmann, Brauer und Branntweinbrenner aus Detern, nach der Eheschließung mit seiner 2. Ehefrau Hermanna Burlage im Jahre 1820 in den Besitz der Familie gelangt und seit zwei Generationen „Stammsitz“ der Familie. Von ihnen und der nachfolgenden Siefkes-Generation wurde die „Goldene Kuh“ als Bauernhof und Brauerei bewirtschaftet.

Im Alter von 20 Jahren legte Helene Christine Wilhelmine Siefkes, so lautete ihr vollständiger Name, vor der Königlichen Prüfungskommission an der Städtischen Lehrerinnenbildungsanstalt zu Leer die Prüfung als Lehrerin für mittlere und höhere Mädchenschulen schriftlich und mündlich ab. Obwohl auch sie in der Tradition erzogen worden war, als Frau keinen Beruf lernen zu müssen, unterrichtete Wilhelmine ab Ostern 1910 an der Privattöchterschule in Jemgum, wo sie sechs Jahre lang blieb.

Am 1. April 1916 wechselte sie an die mit einer Mittelschule verbundene Bürgerschule nach Fallersleben, Kreis Gifhorn, kehrte aber bereits im Schuljahr 1917 nach Ostfriesland zurück, wo sie zunächst als Vertretungslehrerin an der lutherischen Mädchenschule angestellt wurde. 1918 wurde ihr an der III. lutherischen Volksschule am Ostersteg eine Stelle als ordentliche Lehrerin des Schulverbandes Stadt Leer angewiesen, die sie nach dem Krieg, Ostern 1919, antrat.

In ihrem Buch „Erinnerungen“ schilderte sie, wie hier ihr politisches Interesse geweckt wurde:
„[...] Ganz allmählich lief das Leben wieder in ruhigeren Bahnen. Es gab eine neue Regierung, und es gab über sie viele Ansichten – für und wider. In mir war alles unklar, aber ich fing an, in den Zeitungen die politischen Nachrichten zu studieren, die mich früher überhaupt nicht interessiert hatten. ... Vor allem brachten die Jüngeren, die nun zurückgekehrt waren, ihre Erlebnisse, ihre Ansichten vor, und man lernte manches mit anderen Augen sehen. Man kam zu Konferenzen und Arbeitsgemeinschaften zusammen, in denen nun auch wir Lehrerinnen willkommen waren – etwas ganz Neues! [...] Ich aber war wie aus einem Traum erwacht, von Anfang an nahm ich lebhaften Anteil. Alle Vorträge, ob sie nun Pädagogik, Kunst oder Politik betrafen, vor allem die Diskussionen, in denen die Wogen oft so hoch schlugen, verfolgte ich mit großem Interesse [...].“

Wilhelmine Siefkes lernte Gleichgesinnte kennen, wie den Sozialdemokraten Hermann Tempel und den Gewerkschafter Louis Thelemann, mit denen sie überdies eine enge Freundschaft verband. Und gemeinsam mit ihnen erlebte sie die Folgen der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Leer.

Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten hat Wilhelmine Siefkes als Lehrerin viel von der Armut unter den Arbeitern gesehen und sich politisch den Sozialdemokraten angeschlossen. 1928 wurde sie ins Stadtparlament Leer gewählt. Gemeinsam mit dem Lehrer Hermann Tempel, der Reichstagsabgeordneter war, und dem Gewerkschafter und Fraktionsführer der Leeraner SPD, Louis Thelemann, ihrem langjährigen Weggefährten, arbeitete sie am „Volksboten“, dem Presseorgan der Sozialdemokraten, mit.

Parallel zur Zeitungsarbeit schrieb Wilhelmine Siefkes kleinere Geschichten, in denen sie die unendliche Armut und Freudlosigkeit im Arbeitermilieu zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit nachzeichnete, viele in ihrer plattdeutschen Muttersprache.

Im Juli 1933 wurde Wilhelmine Siefkes im Zuge der neuen Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums offiziell aus dem Schuldienst entlassen. Darüber hinaus durfte sie unter ihrem Namen nichts mehr veröffentlichen. Dennoch erschien im Jahr 1939 ihr Roman KEERLKE, wofür sie am 11. Mai 1940 mit dem Johann-Hinrich-Fehrs-Preis ausgezeichnet wurde.

Nach drückenden 12 Jahren der Einschüchterung, des Lehr- und Veröffentlichungsverbots, nahm Wilhelmine Siefkes zaghaft wieder aktiv am kulturellen Leben in Ostfriesland teil. Nach 1945 kehrte sie nicht in den Schuldienst zurück, sondern widmete sich gänzlich ihrer literarischen Arbeit, mit der künstlerisch eine neue, fruchtbare Schaffensperiode einsetzte.

Über 50 Jahre war die Autorin Mitglied des Vereins für Heimatschutz und Heimatgeschichte Leer und schrieb für die vereinseigene Heimatbühne eindrucksvolle plattdeutsche Heimatspiele wie „Brörs“, „Stiefkoppen“, „Freerk Ulenga“ und andere. Als ständige Mitarbeiterin schrieb sie seit 1948 für die Zeitschrift „Ostfriesland“ der Ostfriesischen Landschaft Aurich unzählige Aufsätze, Gedichte und Essays. Im Jahr der Gründung (1949) trat sie dem Arbeitskreis für Schriften an ostfriesischen Volksschulen, der „Leuchtboje“ bei, 1958 dem „Oldenburger Schrieverkring“, 1964 dem Verband deutscher Schriftsteller sowie der IG Druck und Papier.

Für ihr hervorragendes literarisches Schaffen wurde Wilhelmine Siefkes 1960 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, 1968 mit der Ubbo Emmius-Medaille der Ostfriesischen Landschaft für ihr Gesamtwerk geehrt. Am 4. Januar 1970 wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Leer, erhielt den Quickborn-Preis für ihr Gesamtwerk und wurde zum Ehrenmitglied der „Grunneger Genootschop", Groningen, ernannt. Sie starb 1984 in Leer.

1985 wurde die ehemalige Ludgerischule an der Königstraße, zu der Zeit noch eine Volksschule, in „Wilhelmine-Siefkes-Schule“ umbenannt. Seit 1990 wird der Wilhelmine-Siefkes-Preis alle vier Jahre zu Ehren der Leeraner Schriftstellerin vergeben.

 

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Kulturtouristische Angebote

Stadtrundgang zum Selbstentdecken
Auf den Spuren von Wilhelmine Siefkes
Faltblatt für selbstorganisierte Touren
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Stadtrundgang auf Wilhelmine Siefkes Spuren

jeweils montags ab 11.30 Uhr:
28. September | 26. Oktober | 23. November
Preis pro Person: 6,- Euro
Treffpunkt: Rathaustreppe
ohne Anmeldung


Stadtführung
Stadtspaziergang mit Wilhelmine Siefkes
Buchung Tourismuszentrale, Ledastraße 10 in Leer
Telefon: 0491 919 696 7


Erzähltheater zum Buchen
"Well up de Padd van d` Wahrheid löppt, de strumpelt neet…"
Erzähltheater mit Musik der Ländlichen Akademie Krummhörn-Hinte e.V.
Inhalt: Das Stück versucht Facetten des Lebens der Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes darzustellen. Im ersten Teil der Inszenierung wird die Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre deutlich. Die Jugend strebt nach dem ersten Weltkrieg danach, die Welt zu verändern, alte Zöpfe ab-zuschneiden und das Leben der Menschen gerechter zu gestalten. In dieser Zeit engagiert sich Wilhelmine Siefkes motiviert durch ihre christliche Haltung zur Nächstenliebe und durch Wahrnehmung großen Leids auf Seiten der Kinder, politisch in der Sozialdemokratischen Par-tei. Dadurch gerät sie in der Zeit des Nationalsozialismus in Bedrängnis, was der zweite Teil der Inszenierung zeigt. Wie ein roter Faden zieht sich gleichzeitig ihr literarisches Werk durch das gesamte Theaterstück.
Eine Darstellerin präsentiert in ihrer Rolle das Leben Wilhelmine Siefkes. Dabei werden die einzelnen Szenen musikalisch untermalt und ergänzt. Mattis Reinders komponierte einen eigenen „Soundtrack“ für das Stück. Er begleitet am Piano die Gesangspassagen, in denen sowohl bekannte Lieder gesungen werden, aber auch Texte von Wilhelmine Siefkes vertont wurden.

Dauer des Angebots: 2 Stunden
Kosten: 500,- € inkl. Bühnenequipment, plus Fahrtkosten
Technik technische / organisatorische Voraussetzungen:
• Bespielbare Bühne 40 qm
• Rückw. Bühnenvorhang
Werbematerial: Liefert die Ländliche Akademie Krummhörn
Kontaktperson für Buchungen: Christine Becker-Schmidt
Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte e.V.
E-Mail: c.schmidt@lak.de; Tel. 0160 92311746
Weitere Informationen unter: http://www.lak.de


Portrait und Ausstellung
Historisches Rathaus Leer / 1. Etage.

Gedenktafel für Wilhelmine Siefkes, Großer Oldekamp 2


Wilhelmine-Siefkes-Preis der Stadt Leer
zur Förderung der plattdeutschen Sprache und Literatur

Lebendiger FrauenKalender Ostfriesland 2026

Der Lebendige FrauenKalender Ostfriesland bietet an unterschiedlichen Orten auf der Ostfriesischen Halbinsel von Emden bis Wilhelmshaven eine vielfältige Auswahl an Veranstaltungen, Begegnungen und kulturellen Höhepunkten. Herausgeber ist der „> Runde Tisch FrauenLeben in Ostfriesland“, der 2014 in Aurich gegründet wurde und aus kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Emden-Leer besteht.

> Download Lebendiger FrauenKalender Ostfriesland 2026


Der frauenORT Wilhelmine Siefkes in Leer entstand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten, dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek der Stadt Leer und wurde im März 2011 eröffnet.

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