Emy Rogge

„So konnte ich mich ganz in die Arbeit ver­tie­fen, die gan­zen Tage hin­ge­hend malen, daß ich alles um mich habe...

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Ilona Tetzlaff
Nordenham Marketing & Touristik e.V.

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Für Emy Rogge bedeutete die Entscheidung für den Beruf als Malerin, ein Leben mit eigenständiger Existenz führen zu können. Ausgebildet an privaten Kunstschulen – staatliche Akademien nahmen bis auf wenige Ausnahmen erst ab 1919 Frauen auf – steht sie für die vielen unbekannten Malerinnen ihrer Zeit. Wichtig war ihr die Vernetzung mit engagierten Künstlerinnen und Förderinnen, wie dem 1905 gegründeten Berliner Lyceum-Club, dem u.a. Käthe Kollwitz angehörte. 20 Jahre arbeitete sie in Berlin als festangestellte Kopistin im Kaiser-Friedrich-Museum, heute Bode-Museum. Einem lang gehegten Wunsch folgend, baute Emy Rogge 1922 in der Künstler*innenkolonie Worpswede mit ihrem Bruder Cornelius eine Radierwerkstatt auf.

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Lebenslauf

Beruf „Malerin“ – das war um 1900 noch ungewöhnlich für Frauen, auch wenn sich bereits einige der Malerei zuwandten. Doch Emy Rogge setzte sich durch: Bereits früh hatte sie das Ziel, sich mit dieser Tätigkeit ein Auskommen zu sichern und wurde Landschaftsmalerin, Radiererin, Zeichenlehrerin und Geschäftsfrau.

Anna Emilie Clara Rogge wurde am 4. Juli 1866 in Schneewarden, einem Ortsteil von Nordenham an der Wesermündung geboren. Ihr Vater, Johann Hinrich Rogge, war der erste Privatbankier in Butjadingen. Bereits früh wurde ihr künstlerisches Talent insbesondere durch ihre Mutter, Julie Caroline Clara, geb. Neumann, gefördert. Diese entstammte einer Leipziger Künstlerfamilie und ermöglichte Emy den Zeichenunterricht in einer Privatschule in Atens, einem Teil Nordenhams, in dem der Vater Johann Hinrich Rogge in den 1870er Jahren Gemeindevorsteher wurde.

Durch die Familie ihrer Mutter wurde sie weiter künstlerisch gefördert. 1891 zog sie zu ihrem Onkel, dem Bildhauer Oskar Rassau (1843-1912), nach Dresden und erhielt dort bei ihm und der Blumenmalerin Carolin Friedrich (1828-1914) Unterricht. In dieser Zeit bezeichnete sie sich selbst als „Zeichenlehrerin“, sah also in ihrer künstlerischen Tätigkeit bereits einen Beruf.

Nach ihrer Ausbildung in Dresden besuchte sie weitere Malschulen und bildete sich umfassend künstlerisch aus. Sie lernte bei Paul Müller-Kaempf (1861-1941), der als Begründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop gilt, ihrem Cousin Georg Müller vom Siel (1865-1939) in der Künstlerkolonie Dötlingen und bei Gerhard Bakenhus (1860-1939) in Oldenburg-Kreyenbrück. Alle drei Maler hatten große Bedeutung in der Oldenburger Landschaftsmalerei, die sich zeitgleich zur Worpsweder Malerei Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte.

In dieser Zeit war Emy Rogge bereits eine angesehene Künstlerin, die unter anderem im renommierten Oldenburger Kunstverein, einem der ältesten Kunstvereine in Deutschland, ausstellte. 1904 gründeten die Künstler Müller-Kaempf, Müller vom Siel und Bakenhus gemeinsam mit anderen den Oldenburger Künstlerbund. Emy Rogge gehörte zu den 31 Gründungsmitgliedern der bis 1975 bestehenden Vereinigung.

Seit 1902 war Emy Rogge in Berlin als Künstlerin aktiv. 1902 zog sie in die Großstadt, wurde Mitglied in verschiedenen Künstlervereinigungen, beispielsweise im Verein der Berliner Künstlerinnen und dem Lyceum-Club Berlin. Beide Vereine förderten und verbreiteten die Arbeiten weiblicher Künstlerinnen. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, aber auch zu Schulungszwecken, arbeitete Emy Rogge als Kopistin im Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode Museum, und fertigte Kopien der alten Meister an. Ihre Malereien wurden von Kunstexperten wie dem damaligen Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums, Max J. Friedländer, sehr gewürdigt. Er stellte ihr positive Zeugnisse aus. Auch Kaiser Wilhelm II. nahm ihre Arbeit wahr und äußerte sich anerkennend über ihre Werke.

1922 zogen Emy Rogge, ihre Mutter und ihr Bruder Johannes Cornelius nach Worpswede. Damit konnte sich die Künstlerin ihren Lebenstraum vom Leben und Arbeiten in Worpswede erfüllen. Die Familie kaufte ein Haus am Weyerberg und Emy fand in den Landschaften um Dötlingen und Bad Zwischenahn wichtige Impulse für ihre Kunst. Um für die Sicherung des Lebensunterhalts eine Einnahmequelle zu erschließen, begannen sowohl Emy als auch ihr Bruder Johannes Cornelius, sich mit der Radierkunst zu beschäftigen. Es entstanden u. a. Postkarten, die im größeren Rahmen vertrieben wurden. Zum Vertrieb der geschwisterlichen Arbeiten gründete Johannes Cornelius Rogge einen Kunstverlag.

Darüber hinaus beteiligte sich Emy Rogge an Ausstellungen der Worpsweder Künstlerinnen und Künstler in Worpswede und Bremen. 1925 konnte sie eines ihrer Werke in der „Kunstausstellung über die Worpsweder Malerei“ in Schloss Eisenach präsentieren.

1933 verstarb die Mutter, mit der Emy Rogge ein inniges Verhältnis hatte, 1949 ihr Bruder, der ihr ebenfalls sehr nahestand. Mit 87 Jahren zog Emy Rogge 1953 in das Worpsweder Altersheim Diedrichshof, wo sie am 7. April 1959 verstarb. Wie ihre Mutter und ihr Bruder wurde sie auf dem Riensberger Friedhof in Bremen beigesetzt.

Bis zu ihrem Tod war sie, die ihre Kunst als Beruf und Berufung angesehen hat, als Malerin aktiv.


Text: Dr. Gudrun Heuschen

Kulturtouristische Angebote

Radtour zum Selbstentdecken oder Buchen
Gedenkweg Emy Rogge

Der Weg führt beginnend am ehemaligen Elternhaus der Malerin in Schweewarden zu den Stationen ihres Leben in Nordenham. Auf 34 Kilometern lassen sich danach die Taufkirche St.Hippolyt in Blexen, die St.Marien-Kirche in Atens als Ort ihrer Konfirmation, ihr Elternhaus und das Rathaus Nordenham erkunden. In letzterem kann das wohl bekannteste Werk von Emy Rogge, eine von ihr in Berlin gefertigte Kopie des Gemäldes „Der Kaufmann Gisze“ (Hans Hohlbein) auf Anfrage besichtigt werden. Die Route endet am Museum Nordenham, in dem der frauenORT Niedersachsen Emy Rogge verortet ist. Audioguides geben hier einen Überblick über das Leben und die schöpferische Arbeit der Malerin, zudem sind einige Bilder aus unterschiedlichen Schaffensperioden zu sehen.
Der Gedenkweg ist mit dem Fahrrad erfahrbar, eine fachkundige Führung wird angeboten.

Informationsmaterial & Buchung einer Führung über:
Nordenham Marketing & Touristik e.V.
Tel. 04731 / 93 64 0 oder info@nordenham.net

Geführte Rad- oder Bustour
Auf Emys Spuren
Rad- bzw. Bustour für Reisegruppen
Die Malerin Emy Rogge hat ihre Kindheit und Jugend in Nordenham verbracht, bevor sie mit ihren Eltern nach Berlin verzog. Auf der Radtour zeichnen wir ihre Wege vom Elternhaus zu den Schulen und Malschulen nach, die sie in Nordenham besucht hat und besuchen auch die Kirchen, in denen sie getauft und später konfirmiert wurde. Die Rad- bzw. Bustour endet am Museum Nordenham, wo über Audioguides bzw. eine Führung Werke von Emy erlebt werden können.


Rundgang und Radtour zum Selbstentdecken
Emy Rogge
Flyer für selbstorganisierte Touren zum > Herunterladen
Nordenham Marketing & Touristik e.V.,
Tel. 04731 / 93 64 0 oder info@nordenham.net


Ausstellung im Museum Nordenham
Emy Rogge

Zeit ihres Lebens hat sich die Nordenhamerin Emy Rogge der Malerei verschrieben – die Natur war ihr Exilier und Inspiration. Ihre Bilder drücken diese Verbundenheit aus, sie zeigen ihren Blick für das Detail, für Landschaften und Jahreszeiten. Ihr Geld verdiente sie jedoch größtenteils als Kopistin großer Meister in Berlin.
Die Ausstellung im Museum Nordenham zeigt chronologisch die Entwicklung der Malerin an den verschiedenen Wirkungsstätten und wird ergänzt um Exponate wie z.B. handschriftliche Notizen und Briefe. Über die im Museum ausleihbaren Audioguides erhalten Besucher*innen weitere Informationen zum Leben und Werk Emy Rogges.
Weitere Informationen: Museum Nordenham


Vortrag zum Herunterladen
Emy Rogge – ein Leben für die Malerei
Vortrag von Susanne Randhage M.A. anlässlich der Auftaktveranstaltung
> Download (Bildrechte Museum Nordenham)

 

Der frauenORT Emy Rogge ist in Kooperation mit Nordenham Marketing & Touristik e.V., dem Museum Nordenham, dem Rüstringer Heimatbund, den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Nordenham und des Landkreises Wesermarsch, dem Kunstverein Nordenham sowie dem Lions Club „Emy Rogge" entstanden und im Juli 2019 eröffnet.

 

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