Herzogin Elisabeth

„...das dein ja ja pleibe und dein nein auch nein pleibe; den es kan an einem furs­ten kein gros­ser untu­gent sein dan...

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Melissa Castillo, GB

 

Regentin, Reformatorin und Ratgeberin – diese drei Attribute kennzeichnen das Wirken von Herzogin Elisabeth. Vom Welfenschloss in Münden führte die Gattin des Herzogs Erich I von Braunschweig-Lüneburg nach dessen Tod die vormundschaftliche Regierung für ihren minderjährigen Sohn. Sie reformierte die höfische Verwaltung sowie das Armen- und Gerichtswesen und führte 1542 als erste und wohl einzig bekannte Frau im 16. Jahrhundert die Lehre Martin Luthers im Fürstentum ein. In einem Regierungslehrbuch warnte sie ihren Sohn vor Geldverschwendung und teuren Kriegen. Neben Liedtexten und Gebeten verfasste sie außerdem ein Ehestandsbuch für ihre Tochter und ein Trostbuch für Witwen.

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Lebenslauf

Herzogin Elisabeth nutzte ihre Machtbefugnisse und Fähigkeiten, um den Glauben ihres Landes zu reformieren. Ihr Handeln war bestimmt von religiöser Überzeugung und politischem Ehrgeiz.

Die Tochter des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg-Hohenzollern und der dänischen Königstochter Elisabeth wurde am 24. August 1510 vermutlich in Cölln (heute Stadtteil von Berlin) geboren. Sie wurde streng religiös und humanistisch erzogen und kam schon früh über ihre Mutter mit den Ideen der Reformation in Kontakt.

Bereits mit knapp 15 Jahren wurde sie mit dem 40 Jahre älteren welfischen Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg verheiratet, der im Fürstentum Calenberg-Göttingen regierte. Das Herrscherpaar bekam vier Kinder, darunter den ersehnten Thronfolger, den späteren Herzog Erich II. von Braunschweig-Lüneburg.

Elisabeth residierte unabhängig von ihrem Gemahl bereits zu dessen Lebzeiten auf ihrem späteren Witwensitz, dem Mündener Schloss. Eine Frau als Regentin war in den meisten deutschen Fürstentümern im 16. Jh. nicht vorgesehen. Frauen wurden allenfalls gebraucht, um Zeiten zu überbrücken. Das ist auch bei Herzogin Elisabeth der Fall. Als Herzog Erich I. 1540 mit 70 Jahren starb, war der gemeinsame Sohn erst 12 Jahre alt. Elisabeth übernahm als 30jährige die vormundschaftliche Regierung für ihren unmündigen Sohn.

Aufgrund ihrer hochadligen Herkunft und Erziehung erwies sie sich dabei als durchsetzungsfähig und weitsichtig. Mit Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen als starkem Verbündeten an ihrer Seite konnte sie trotz des heftigen Widerstands Heinrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel gemeinsam mit Landgraf Philipp von Hessen die vormundschaftliche Regierung über das Fürstentum durchsetzen. Bestärkt wurde sie auch von ihrem Leibarzt und Hofrat Burkhard Mithoff, der in Verbindung zu Martin Luther und Philipp Melanchthon stand.

Als Regentin agierte sie mit strategischem Geschick und oft über die ihr gesetzten Grenzen hinaus. Ab 1542 erneuerte sie die höfische Finanzverwaltung, die Rechtsprechung und Armenfürsorge

Durchsetzung der Reformation

In Wittenberg hörte Elisabeth 1534 den Reformator Martin Luther predigen. Vier Jahre später empfing sie beim Abendmahl den Kelch – der bisher nur Priestern vorbehalten war – und bekannte sich damit öffentlich zum neuen Glauben. 1542 führte sie die Reformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen durch. Nach derzeitigem Wissensstand ist sie die einzige Frau im 16. Jh., die Kraft ihres Amtes als regierende Fürstin diesen Schritt vollzog.

Bereits 1542 wurde die Calenberger Kirchenordnung für ganz Calenberg-Göttingen verfasst. An den folgenden Kirchenvisitationen nahm Elisabeth persönlich teil. Eine Klosterordnung vom 4. November 1542 regelte die evangelische Umgestaltung der Klöster. Die „Reformationsfürstin“ nutzte das Vermögen der säkularisierten Klöster für kirchliche und mildtätige Zwecke und gilt damit als Impulsgeberin für die Klosterkammer Hannover.

Elisabeths Religiosität ist stark spürbar in den Ratgebern, die sie für Familienangehörige und Verwandte schrieb. Ihre Überzeugungen hielt sie in Liedtexten, Gebeten und Ratgebern fest. In einem 1545 verfassten Handbuch erteilte sie ihrem Sohn Erich II. grundlegende Ratschläge für dessen zukünftige Regierung. Sie verfasste ebenfalls ein Gebetbuch, ein Trostbuch für Witwen, und für ihre mittlere Tochter ein Ehestandsbuch.

1546 ging sie eine zweite Ehe mit Graf Poppo XII. von Henneberg ein. Ihr Sohn Erich II. hatte sich mittlerweile zum katholischen Glauben bekannt, um seine Chancen am Kaiserhof zu erhöhen. In den folgenden Jahren führte er mehrfach politische Manöver durch, um seine Macht zu sichern, und ließ dabei auch Verbündete Elisabeths inhaftieren.

Vor der Schlacht bei Sievershausen flüchtete Elisabeth 1553 mit Hilfe Herzog Heinrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel, dem Neffen ihres verstorbenen Mannes, zunächst nach Hannover, wo sie sich in den Jahren 1553-1555 aufhielt.

1555 übersiedelte sie nach Ilmenau (Grafschaft Henneberg). Hier starb Elisabeth am 25. Mai 1558 und wurde im Kloster Veßra beigesetzt. 1566 erfolgte die Umbettung in die hennebergsche Familiengrablege in Schleusingen.

Kulturtouristische Angebote

Rundgang zum Selbstentdecken
Herzogin Elisabeth – Ein Rundgang durch ihre Residenzstad
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Kostümführung
"Elisabeth ward ich genannt..."

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Veranstaltungstag
Herzogin-Elisabeth-Tag
(jährlich, Ende August)
Informationen über die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hann. Münden
Castillo@Hann.Muenden.de


Ausstellung zu Herzogin Elisabeth
> Städtisches Museum Han. Münden


Gedenktafel und Elisabeth-Rose

> Welfenschloss Hann. Münden


Der frauenORT Herzogin Elisabeth in Hann.Münden entstand in Kooperation mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten und der ev.-luth. Stadtkirchengemeinde und wurde im Mai 2011 eröffnet.

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