Odilie von Ahlden

„Du hast uns hier zusam­men geru­fen, damit dein hei­li­ger Name geprie­sen werde.“

Gebet­buch der Äbtis­sin...

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Äbtissin Bärbel Görcke

Sie schuf ein eindrucksvolles Zeugnis gelebten Glaubens. Odilie von Ahlden leitete als Kantorin den Chorgesang und wurde 1512 zur Vorsteherin des Klosters Mariensee gewählt. Nachdem die Ordensregeln an Geltung verloren hatten, war der Konvent nach 1455 zu disziplinierter Gemeinschaft und intensivem Gottesdienst zurückgekehrt. Die Äbtissin verlieh der Reform entscheidende Impulse und belebte das tägliche Stundengebet neu. Die Worte sollten nicht nur gesprochen und gesungen, sondern auch nachempfunden werden. 1522 vollendete sie eine handschriftliche Sammlung liturgischer Texte, die auch nach Annahme der Reformation genutzt wurde und von religiösem Selbstbewusstsein zeugt.

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Lebenslauf

Selbstbewusst als gläubige Frau den christlichen Glauben leben – dafür steht Odilie von Ahlden.

Sie wurde um 1480 geboren. Über ihren Geburtsort oder ihre Herkunftsfamilie ist nichts bekannt. Wahrscheinlich wurde sie bereits als Kind in das Kloster Mariensee gegeben. Sie erhielt dort eine umfassende Ausbildung und wurde um 1500 zur Kantorin gewählt. Mit diesem Amt kam ihr die Leitung des Chorgesangs zu, und sie befasste sich intensiv mit der Liturgie, in der die Stundengesänge (Horen) und Gebete grundlegend für die täglichen Rituale im Kloster waren. Die kunstvolle handschriftliche Niederschrift der dazu erforderlichen Texte gehörte zu den Aufgaben der Nonnen.

Nachdem sie sich in diesem Amt bewährt hatte, wurde Odilie von Ahlden 1512 zur Äbtissin des Zisterzienserklosters gewählt, welches damals noch katholisch war. Ihr Ziel als Äbtissin war es, die klösterlich-strenge Ordnung, die im 15. Jahrhundert gelockert worden war, für das Klosterleben wiederzubeleben und zu einer christlichen Gemeinschaft mit intensiven Gottesdiensten zurückzufinden. Odilie von Ahlden leitete die Nonnen insbesondere an, klösterliche Rituale mit einer bewussten Hinwendung zum Glauben durchzuführen und diesen aktiv zu praktizieren. Durch das bewusste Artikulieren der Gebete in Aussprache und Gesang sollten deren Inhalte nachempfunden werden.

Um die zisterziensische Tradition wiederzubeleben, schuf sie eine handschriftliche Sammlung liturgischer Texte in Latein, die sie 1522 vollendete. Dieses Gebetbuch wird noch heute im Kloster Mariensee aufbewahrt. Ihre Autorenschaft lässt sich der Schrift eindeutig zuordnen, da sie diese signierte und darauf hinwies, dass sie diese Schrift eigenständig handschriftlich verfasst habe. Obwohl der Buchdruck bereits erfunden war, wählte sie bewusst die traditionelle handschriftliche Form klösterlicher Überlieferung für das Gebetbuch.

Das Gebetbuch der Odilie von Ahlden wurde während der täglichen Gebetszeiten genutzt und enthält liturgische Texte des Zisterzienserordens. Als das Kloster Mariensee nach der Reformation 1542 in ein „Evangelisches Jungfrauen-Closter“ umgewandelt wurde, wurden einzelne Texte für den Gottesdienst angepasst. Die Gebetssammlung wurde somit weiter genutzt und stellt eine Verknüpfung des katholischen und des evangelischen Glaubens dar.

Odilie von Ahlden blieb bis zu ihrem Lebensende um 1530 Äbtissin des Klosters Mariensee. Durch ihre Handschrift und die damit verbundene gottesdienstliche Praxis hat sie das Kloster bis heute geprägt und der Nachwelt Zeugnis eines weiblichen religiösen Selbstbewusstseins hinterlassen.


Text: Dr. Gudrun Heuschen

Kulturtouristische Angebote

Kloster Mariensee
Das Kloster beherbergt das Gebetsbuch der Äbtissin Odilie von Ahlden aus dem Jahr 1522.
Kloster und Kirche sowie die Gärten sind regelmäßig geöffnet. Neu im Angebot ist eine Lesestube mit Zeitschriften aus Ordensleben, Theologie und Themen der Spiritualität sowie Neuanschaffungen für die Bibliothek.
Führungen, Ausstellungen im Museum, das Veranstaltungsprogramm 2025 und weitere Angebote finden Sie auf der Website des Klosters:

https://www.kloster-mariensee.de/


Termine 2025 im Kloster
Marienseer Abendgebet, inspiriert vom Gebetbuch der Äbtissin Odilie (1522),
am dritten Sonnabend im Monat um 18 Uhr während der Führungszeit
am 17. Mai | 21. Juni | 19. Juli | 16. August | 20. September | 18. Oktober.
Anschließend Möglichkeit zur Begegnung.

Alle Veranstaltungen finden Sie auf der > Website des Klosters.


Führung
„frauenORT Äbtissin Odilie"
Auf den Spuren der Frauen im Kloster Mariensee
Gang durch das Kloster mit Gärten und Museum, Kaffeetafel mit „Odilientorte“ und Gespräch mit dem Konvent.

Es werden regelmäßig > Führungen angeboten.
Gruppenführungen bitte rechtzeitig anmelden.


Ausstellung
»Behüte und bewahre diesen Ort«
Ein Frauenkloster zwischen Reform und Reformation. Impulse aus dem Gebetbuch der Äbtissin Odilie (1522).
Vorstellung der Handschrift im Klostermuseum.
Eine Einführung von Prof. Henrike Lähnemann aus Oxford können Sie > HIER über YouTube abrufen.

Internationaler Museumstag 2025
18. Mai 2025
Motto: "Museen mit Freude entdecken"
Eintritt im Museum mit Führungen kostenlos

 

Der frauenORT Äbtissin Odilie von Ahlden entstand in Kooperation mit dem Kloster Mariensee, den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Neustadt am Rübenberge und der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers sowie der Klosterkammer Hannover und wurde im April 2017 eröffnet.

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