Ingrid Buck

„Die The­men der Volks­kunde sind so zahl­reich und vielfältig wie die Lebens­be­zie­hun­gen der Men­schen.“

Ing­rid...

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frauenORT Kontakt:

Birgit Ehring-Timm, GB

frauenORT Kontakt:

Dr. Christopher M. Galler

Museum Aurich

Die programmatische Aussage von Ingrid Buck umreißt den weiten Horizont, den die Volkskundlerin für ihre Arbeit wählte. Als langjährige Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Volkskunde in der Ostfriesischen Landschaft erforschte sie viele Lebensbereiche, in denen die Arbeit und die Belange von Frauen sichtbar wurden. Mit ihrer Sammel-, Forschungs- und Ausstellungstätigkeit schuf sie die Grundlage für ein Archiv, auf das sich die volkskundliche und frauengeschichtliche Forschung in Ostfriesland – und insbesondere im Historischen Museum der Stadt Aurich mit seinem frauenhistorischen Schwerpunkt – stützen kann. Zwanzig Jahre lang wirkte Ingrid Buck in der Ostfriesischen Landschaft als Landschaftsrätin (im Ehrenamt, als erste und bis heute einzige Frau in dieser Position) und erwarb sich in diesem von Männern dominierten Selbstverwaltungsorgan Respekt und Ansehen.

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Lebenslauf

Ingrid Buck kommt für die Bewahrung ostfriesischer Alltagskultur eine unschätzbar große Rolle zu.

1913 wurde sie in Aurich als älteste von drei Töchtern des Auricher Arztes und Chirurgen Dr. Albrecht Neddersen, einem Bauernsohn aus Schirum, geboren. Schon als Mädchen begleitete sie ihren Vater bei Krankenbesuchen; man kannte sie und schenkte ihr Vertrauen. Ihr Ruf als „Neddersen sien Ollste“ öffnete ihr auch später bei ihren volkskundlichen Studien die Türen.

Sie erhielt eine umfassende Schulbildung an der Kanthorschule und der höheren Mädchenschule in Aurich, in Dresden im Mädchenpensionat, in Hildesheim in der Landesfrauenschule Trillke-Gut und in Hannover in der Loges-Schule mit dem Ziel Sportpädagogin zu werden.

1936 heiratete sie den Landgerichtsrat Ernst-August Buck. Das Ehepaar bekam zwei Töchter, von denen eine im Kindesalter starb. Bereits 1944 verstarb ihr Ehemann infolge einer Kriegsverwundung, so dass Ingrid Buck wie so viele Frauen ihrer Generation mit 31 Jahren alleinerziehende Kriegswitwe war. Obwohl sie eine vorzügliche höhere Schulbildung absolviert hatte, fehlte ihr eine Berufsausbildung. Dennoch wollte sie sich gesellschaftlich einbringen.

Zu dieser Zeit hatte ihr Vater, der Arzt Dr. Albrecht Neddersen, damit begonnen, den umfangreichen Nachlass seines Freundes Johann de Pottere, dem letzten Nachkommen einer bekannten ostfriesischen Familie, zu ordnen. Ingrid half ihm bei dieser Arbeit und konnte dadurch Kontakte zu Ostfriesischen Landschaft knüpfen, die den Nachlass geerbt hatte. Als 1953 die Ostfriesische Landschaft einen sogenannten Heimatpflegerlehrgang organisierte, nahm Ingrid Buck daran teil und entdeckte ihre Leidenschaft für die volkskundliche Arbeit, die sie in den Aufbau eines volkskundlichen Archivs für Ostfriesland einbrachte. Unter der Leitung des Landschaftsrates Pastor Jan van Dieken bildete sich die „Arbeitsgruppe Volkskunde und Brauchtum“, an der Ingrid Buck von Beginn an sehr aktiv beteiligt war und die laufenden Geschäfte übernahm.

Ingrid Buck hatte den Ehrgeiz, ihre Arbeit auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen. Zur Einführung in ihre Tätigkeit hospitierte sie bei der Volkskundlichen Kommission in Münster und entschied sich 1954 auf Anraten der Münsteraner Ethnologin Dr. Martha Bringemeier zu einer Studienreise nach Schweden, um an den Universitäten Lund, Göteborg, Uppsala und Stockholm Einblicke in die dortige Sammel- und Ausstellungstätigkeit zu gewinnen. Da die deutsche volkskundliche Forschung durch den Nationalsozialismus stark politisch beeinflusst worden war, wurde die schwedische Volkskunde in den 1950er Jahren durch den neuen Ansatz, Phänomene räumlich, zeitlich und nach sozialer Schicht einzuordnen, richtungsweisend.

Inspiriert von neuen wissenschaftlichen Methoden, erarbeitete Ingrid Buck für Ostfriesland diverse volkskundlich-wissenschaftliche Fragebögen unter anderem zu Bräuchen, Kleidung, Nahrungsgewohnheiten, zur Wohnsituation, dem Handwerk, zur Landwirtschaft und zum Transport. Da der Arbeitsgruppe zahlreiche in ganz Ostfriesland ansässige Mitglieder angehörten, wurde hierdurch der Grundstein für ein beachtliches Archiv angelegt. Nach wie vor stand sie während ihrer Tätigkeit in Kontakt zur Volkskundlichen Kommission in Münster.

1968 wurde Ingrid Buck nach dem Ausscheiden von Pastor Jan van Dieken als erste Frau und bislang einzige Frau zur Landschaftsrätin der Ostfriesischen Landschaft gewählt. Dadurch fiel ihr auch die Leitung der volkskundlichen Arbeitsgruppen zu. Die Tätigkeit der Arbeitsgruppen bestand neben der Datenerhebung auch in der praktischen Pflege der Bräuche: Es wurden Osterfeuer organisiert, Maibäume gesetzt, Brautpfade gelegt und zu Martini gesungen. Sportliche Veranstaltungen wie das Boßel- und Klootschießen oder Schlittschuhläufe auf dem Großen Meer wurden ebenso abgehalten wie Spinnkurse. An all diesen Veranstaltungen nahm Ingrid Buck oft und gerne teil.

Darüber hinaus ließ sie die interessierte ostfriesische Bevölkerung an den Ergebnissen der Befragungen teilhaben, indem sie die Informationen in Ausstellungen präsentierte, zahlreiche Vorträge hielt und thematische Veröffentlichungen herausgab. Als Bewahrerin der ostfriesischen Kultur richtete sie außerdem ein Bildarchiv ein, hielt ostfriesische Tradition in Filmen fest (z. B. Buchweizenanbau in Ostfriesland), initiierte eine mundartliche Wortkartei und eine umfangreiche Sammlung von Objekten.

Mit 75 Jahren legte sie 1988 ihr Amt als Landschaftsrätin nieder. Im gleichen Jahr wurde sie mit der Ubba-Emmius-Medaille der Ostfriesischen Landschaft für herausragende Verdienste um Ostfriesland ausgezeichnet. Nach ihrem Tod am 15.05.1996 in Aurich wurde sie auf dem dortigen städtischen Friedhof bestattet.

Ingrid Buck ist mit dem gesammelten Erbe zur Alltagsgeschichte Ostfriesland verantwortlich umgegangen und hat die Volkskultur Ostfrieslands für zukünftige Genrationen bewahrt. Die Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft (Archiv) und mehrere Ostfriesische Museen, darunter das Historische Museum in Aurich und das Ostfriesische Landwirtschaftsmuseum in Campen/Krummhörn (Sachgüter) verwahren und präsentieren das von Ingrid Buck zusammengestellte kulturelle Erbe Ostfrieslands.


Text: Dr. Gudrun Heuschen

Kulturtouristische Angebote

Kostümführung
frauenORT Ingrid Buck – der Stadtrundgang
Der Rundgang stellt die weltoffene Autodidaktin vor, die eine berufliche Gleichberechtigung im Ehrenamt als Frau lebte. Auf einem Stadtspaziergang führt Ingrid Buck – verkörpert durch die Schauspielerin Herma Peters – zu ausgewählten Stätten ihrer Jugend und ihres Wirkens in Aurich.
Sie erfahren wie Ingrid Buck aufgewachsen ist, was sie geprägt hat und wofür sie sich engagiert hat.
Dieser Stadtrundgang kann von Gruppen gebucht werden.
Weitere Informationen erhalten Sie im > Museum Aurich.

Museumsausstellung
Ingrid Buck – Volkskundliche Sammlung im Historischen Museum Aurich
Das Historische Museum Aurich erzählt ostfriesische Kultur- und Auricher Stadtgeschichte. Volkskundliche Sammlungsstücke und frauengeschichtliche Bezüge finden sich in den Abteilungen: „Burg und Schloss“, „Blütezeit der Bürger*innen“, „Aurich im Kaiserreich" und „Ostfriesland in Kriegsnöten“. Sie werden darüber hinaus beim Erzählcafé und in den wechselnden Ausstellungen* gezeigt.
> Historisches Museum Aurich
Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr

Gruppenveranstaltungen zum Buchen: Besondere Teegeschichten
Zum Tee - bei Ingrid Buck
Für die Volkskundlerin und Landschaftsrätin Ingrid Buck war Tee ein Lebenselixier. Die Arzttochter verschrieb sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Volkskunde, informierte umtriebig über die Resultate ihrer Forschungen zu Brauchtum, Lebens- und Jahreslauf der Ostfriesen u.v.m.
Was verband Ingrid Buck mit dem Historischen Museum Aurich und was würde sie zur Ernennung der „Ostfriesischen Teezeremonie“ zum immateriellen Kulturerbe sagen? Antworten und Wissenswertes rund um den Tee gibt es in einer gemütlichen Teestunde. 
Veranstaltungsort: Pingelhus

Zum Tee - bei Gräfin Anna
Dem frevelhaften Treiben von Saufgelagen und ausschweifender Lebensart der Ostfriesen, setzte sie im 16. Jahrhundert mit ihrer „Polizeiordnung“ ein jähes Ende. Wer war diese Frau, die Ostfriesland viele Jahrzehnte als vormundschaftliche Regentin ihrer Söhne vorstand? Welche Glaubensflüchtlinge spielten ihr in die reformatorischen Karten zur Neuordnung Ostfrieslands? Und: Wie bahnte sie so indirekt den Siegeszug des Tees in Ostfriesland? Antworten und Wissenswertes rund um den Tee gibt es in einer gemütlichen Teestunde. 
Veranstaltungsort: Historisches Museum Aurich

Beide Museumsbesuche mit ostfriesischer Teezeremonie und ganzjährig buchbar!
Anmeldungen: telefonisch unter 04941-123600 oder
per E-Mail an hist-museum@stadt-aurich.de oder an der Museumskasse
Kosten: 12 € pro Person

Ostfriesische Teezeremonie im Museum
Genießen Sie eine ostfriesische Teezeremonie im Ambiente des Historischen Museums und entdecken Sie unsere vielseitige Ausstellung.
Dauer: 45 Minuten Teezeremonie plus eigenständige Besichtigung der Ausstellung am jeweiligen Tag.
Kosten: 10 € pro Person inkl. Museumseintritt
Termine:
folgen demnächst für 2026
Veranstaltungsort: Historisches Museum Aurich
Die Teezeremonie ist für Gruppen auf Anfrage auch zusätzlich zu den festen Terminen ganzjährig buchbar, auch im Pingelhus!
Dauer: ca. 90 Minuten
Anmeldung: telefonisch unter 04941-123600, per mail an hist-museum@stadt.aurich.de oder an der Museumskasse
„Is Teetied“ – wir freuen uns auf Sie!

 

Gedenktafeln frauenORT Ingrid Buck
Am Historischen Museum Aurich / Burgstraße 25,
am Pingelhus / Am Georgswall 2
sowie in der Ostfriesischen Landschaft / Am Georgswall 1

Radtour
Starke Frauen erfahren –  10 Straßen und ein Frauenort in Aurich
Die etwa zehn Kilometer lange Route durch die Auricher Innenstadt rückt die weibliche Seite der ostfriesischen Geschichte in den Fokus und führt dabei durch teilweise abseits gelegene grüne Winkel der Stadt. Die Radtour wird als geführte oder selbstorganisierte Tour angeboten.
Die > Begleitbroschüre ist digital und als Printversion erhältlich und kann unter kultur@ostfriesischelandschaft.de bestellt werden.
Weitere Informationen gibt es außerdem auf der > Website der Stadt Aurich.

Lebendiger FrauenKalender Ostfriesland 2026

Der Lebendige FrauenKalender Ostfriesland bietet an unterschiedlichen Orten auf der Ostfriesischen Halbinsel von Emden bis Wilhelmshaven eine vielfältige Auswahl an Veranstaltungen, Begegnungen und kulturellen Höhepunkten. Herausgeber ist der „> Runde Tisch FrauenLeben in Ostfriesland“, der 2014 in Aurich gegründet wurde und aus kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Emden-Leer besteht.

> Download Lebendiger FrauenKalender Ostfriesland 2026


Der frauenORT Ingrid Buck ist in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Aurich, dem Historischen Museum der Stadt Aurich sowie der Ostfriesischen Landschaft entstanden und wurde im Juni 2018 eröffnet.

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