Hermine Heusler-Edenhuizen

„Ein Mann nach altem Stil, der in der Ehe auf allen Gebie­ten der „Herr im Hause“ sein will, kann mit einer...

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Sie zählt zu den Pionierinnen der akademischen Frauenberufe. Einzig in Helene Langes Berliner „Gymnasialkursen“ konnte sie sich auf das Abitur vorbereiten und nur mit einer Ausnahmegenehmigung an den deutschen Universitäten studieren. Ab 1911 arbeitete Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen als erste niedergelassene Fachärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe in Berlin und bekämpfte erfolgreich das Kindbettfieber. Als erste Vorsitzende des „Bundes Deutscher Ärztinnen“ stritt sie für die Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 und für sexuelle Aufklärung.

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Lebenslauf

Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen galt ab 1909 als die erste im deutschen Kaiserreich ausgebildete Fachärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe nach Studium in Berlin, Zürich, Halle und Bonn.

Am 16.03.1872 wurde sie als 4. von neun Kindern von Aafke Dieken, verh. Edenhuizen, im ostfriesischen Pewsum geboren. Der Vater, Dr. Martin Edenhuizen, arbeitete als Landarzt. Die Eltern stammten beide aus wohlhabenden Bauernfamilien. Typisch für diese Schicht und Zeit wuchs sie mit der Bildung einer „Höheren Tochter“ auf.

Bereits 1881 starb ihre Mutter. Wie auch den anderen Geschwistern ermöglichte Hermines Vater ihr trotzdem einen hervorragenden Bildungsweg. Nach einem Aufenthalt in Mädchenpensionat in Berlin von 1889 bis 1890 kehrte sie nach Pewsum zurück.

Abitur und Studium

Während des 19. Jahrhunderts in Deutschland waren Mädchen und Frauen vom Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und vom Studium an einer Universität ausgeschlossen. Auch Hermine lehnte den Vorschlag ihres Vaters, sich in der liberaleren Schweiz auf ein Studium vorzubereiten, zunächst ab. Erst nach einer schweren Krankheit, während der sie eine Sinnkrise erlebte, begann sie sich mit Fragen rund um ihren Lebenslauf zu beschäftigen. 1893 stieß sie auf die Zeitschrift „Die Frau“, in der die Pädagogin und Frauenrechtlerin Helene Lange Gymnasialkurse für Frauen anbot. Hermine beschloss daraufhin, das Abitur nachzuholen und anstelle von standesgemäßer Heirat Bildung und Beruf anzustreben. Sie erkämpfte sich den Weggang aus Pewsum und zog mit Erlaubnis ihres Vaters 1894 nach Berlin.

In den privaten Gymnasialkursen Helene Langes nahm sie Unterricht und legte 1898 das Abitur ab. Damit gehörte sie zu den ersten 10 Frauen, die ab 1896 in Deutschland das Abitur machten. Weil sie Frauen waren, musste dafür die Sondergenehmigung der Kultusbehörde eingeholt werden.

Im selben Jahr begann sie ein Medizinstudium in Berlin. Da Frauen zu dieser Zeit noch nicht immatrikuliert, sondern nur als „Gasthörerinnen“ geduldet wurden, musste sie jeden Dozenten einzeln um Erlaubnis zur Teilnahme bitten und wurde oft abgelehnt. Auch hierbei setzte sich Helene Lange mit Gesuchen und Vorsprachen zugunsten der Studentinnen ein.

Hermine Edenhuizen wechselte zum weiteren Studium nach Zürich, später nach Halle und Bonn. 1903 legte sie ihr Examen ab und promovierte im selben Jahr mit „summa cum laude“. Nach einem halben Jahr, in dem sie im Inselspital in Bern im Bereich Hat- und Geschlechtskrankheiten arbeitete, nahm sie 1906 eine Stelle im Bonner Universitäts-Frauenklinik als erste bezahlte Assistenzärztin an. Später folgten weitere fachärztliche Ausbildungen in Bonn, Dresden und Freiburg.

Erste Fachärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe

Im April 1909 ließ sie sich als Fachärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe in Köln nieder. 1911 zog sie nach Berlin und gründete als Frauenärztin gemeinsam mit einer Kollegin eine Poliklinik für Frauen.

Schon früh wurde Hermine Edenhuizen bewusst, dass die „Teil des Ganzen Kampfes“ der damaligen Frauenbewegung war. Massive Widerstände von Männern in einer patriarchal organisierten Gesellschaft, aber auch von Frauen galt es zu überwinden. Die familiären Schicksalsschläge, den frühen Tod der Eltern und von Geschwistern überwand sie mit dem ostfriesischen „Man tau“ (weiter so) und schaffte für sich und andere Frauen den Durchbruch.

Den Preis für diesen Kampf glaubte sie mit Verzicht auf Liebe und Kinder bezahlen zu müssen – bis sie in dem Internisten Dr. Otto Heusler den Partner fürs Leben fand. Der Heirat 1912 gingen schwierige Jahre voraus – die Beziehung mit dem verheirateten Heusler galt als Skandal. 1917 und 1919 adoptierte das Paar die Kinder Hella und Werner, betrieb eine gemeinsame Praxis. Auch Helene Lange gehörte als „Großmutter“ zum engsten Familienkreis.

36 Jahre lang führte Hermine Heusler-Edenhuizen in Berlin ein vielseitiges Leben als Frauenärztin mit eigener Praxis, einer Poliklinik, operierte, half unzähligen Kindern auf die Welt und errang Erfolge im Kampf gegen das Kindbettfieber. Sie engagierte sich u.a. gegen Kindesmisshandlung, für eine Änderung des § 218 und sexuelle Aufklärung. 1924 wurde sie Gründungsvorsitzende des Bundes Deutscher Ärztinnen und gab auch dessen Zeitschrift „Vierteljahrsschrift des Bundes Deutscher Ärztinnen“ heraus.

1943 starb ihr Mann. 1945, nach der Beerdigung der jüngeren Schwester – einer Kinderärztin – musste sie kriegsbedingt in Pewsum bleiben. Es folgten 1950 bis 1955 „Wanderjahre“ bei der Tochter und ihrer langjährigen Freundin und Kollegin Frida Busch. 1955 kehrte sie nach Berlin zurück und verstarb dort am 26. November 1955 an einem Schlaganfall.


Text: Anke Weisbrich

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Der frauenORT Hermine Heusler-Edenhuizen in der Krummhörn entstand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Krummhörn, des Landkreises Aurich und der Stadt Emden und wurde im März 2012 in Pewsum eröffnet.

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