Henriette Schrader-Breymann

„Nicht die Men­schen­er­zeu­gung son­dern Men­schen­bil­dung ist das Ziel!"

Hen­ri­ette Schra­der-Brey­mann, Brief an...

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Simone Reese, GB

 

Ihr Einsatz für die moderne Pädagogik und die weibliche Erwerbstätigkeit war wegweisend. Henriette Schrader-Breymann gründete und leitete die Bildungseinrichtungen in Neu-Watzum und im Schloss Wolfenbüttel. Ausgehend von den Ideen des Reformpädagogen Friedrich Fröbel verwirklichte sie ihr eigenes Konzept der ganzheitlichen Bildung von Mädchen und Frauen und qualifizierte sie für die Berufsarbeit als Kindergärtnerin. Aus dem 1874 von ihr mitbegründeten „Berliner Verein für Volkserziehung“ ging das Pestalozzi-Fröbel-Haus hervor.

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Lebenslauf

Henriette Schrader-Breymann war Reformpädagogin, Gründerin von europaweit anerkannten Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, Förderin der Fröbelpädagogik und unermüdlich engagiert in der Frauenbildung.

Am 14. September 1827 wurde sie als ältestes von zehn Kindern in die Pastorenfamilie des Pastors Ferdinand Christian Breymann und seiner Ehefrau Louise in Mahlum geboren. Als Kind wurde sie zunächst zu Hause unterrichtet und setzte ihre schulische Laufbahn an der Mädchenschule in Wolfenbüttel fort. Bereits als Schülerin litt sie unter der Phantasielosigkeit des Schulunterrichts und sehnte sich nach Veränderungen.

Als Henriette 1841 nach ihrer Schulzeit in Wolfenbüttel wieder in ihr Elternhaus zurückkehrte, fiel ihr die Eingewöhnung schwer. Sie war auf der Suche nach dem für sie richtigen Lebensweg. Im Sommer 1848 gelang es ihr, ihrem Leben eine entscheidende Wendung zu geben. Sie konnte zunächst als Schülerin, später als Mitarbeiterin an die Bildungs- und Erziehungsinstitution ihres Großonkels, des Pädagogen Friedrich Fröbel, in Keilhau (Thüringen) wechseln.

Nachdem sie hier wertvolle Berufserfahrung hatte sammeln können, gründete sie 1854 im Pfarrhaus ihres Vaters in Watzum eine Bildungs- und Erziehungseinrichtung für Mädchen und junge Frauen. Ab 1864 befand sich das Institut in Wolfenbüttel.

Mit der Gründung dieser Schule kam sie dem zeitgenössischen Bedarf entgegen: das Institut wuchs kontinuierlich und erlangte Ansehen und Bekanntheit bis über die Landesgrenzen hinaus. Die Grundwerte der fröbelschen Pädagogik setzte sie konsequent um und erneuerte sie nach modernen pädagogischen Ideen. Bildung und Erziehung sollten umfassend betrachtet werden. Ihre Erfahrungen mit Kindern aus dem städtischen Umfeld führten zu ihrer Erkenntnis, dass für Kinder aus Arbeiterfamilien ein Bedarf an ganztätigen Erziehungseinrichtungen bestand. Darüber hinaus erkannte sie die Notwendigkeit, dass Kinder auf möglichst vielen Gebieten für ihr zukünftiges Leben befähigt werden sollten. Alltagstätigkeiten wie Kochen, Gartenarbeit und Tierpflege waren ihr neben dem Spiel als Erziehungsmittel ein besonderes Anliegen. Die Schülerinnen wurden nach individuellen Stundenplänen unterrichtet.

Neben den Kindergarten- und Elementarklassen, den Klassen für 12-14-jährige und denen für 14-17-jährige Mädchen gab es eine Fortbildungsklasse für erwachsene Frauen, die den Beruf der Erzieherin oder Lehrerin ergreifen wollten. Damit war Henriette Schrader-Breymann richtungweisend für die Berufsausbildung von Frauen – im 19. Jahrhundert ein Novum.

Mehrere Mädchen aus reformorientierten Familien besuchten die Erziehungs- und Bildungseinrichtung, u. a. eine Tochter des Musikerpaares Clara und Robert Schumann. Bekannte Vertreterinnen und Vorkämpferinnen der Kindergartenidee unterrichteten dort und hielten Vorträge. Henriette Schrader-Breymann verkehrte mit vielen bedeutenden Frauen ihrer Zeit, unter anderem mit Helene Lange. Die Idee der Fröbelpädagogik, der Kindergartenbewegung und der Frauenbildung vertrat sie nicht nur in ihrem Institut, sondern hielt auch Vorträge im europäischen Ausland.

1872 heiratete die Pädagogin den Juristen Karl Schrader, mit dem sie nach Berlin zog und den Verein für Volkskindergärten und Volkserziehung gründete. Außerdem initiierte sie mit Unterstützung der englischen Kronprinzessin Victoria, der Ehefrau Friedrichs III., das noch heute existierende Pestalozzi-Fröbel-Haus, das sich in kurzer Zeit zu einer der führenden Bildungs- und Berufsbildungsstätten für Mädchen und Frauen sowie zur Erziehungseinrichtung für Kinder entwickelte. Zum Pestalozzi-Fröbel-Haus gehörten ein Seminar für Kindergärtnerinnen, eine Haushalts- und Kochschule, eine Krabbelstube, ein Kindergarten sowie ein Hort, außerdem ein Landschulheim und Tages- und Nachtheime. Die Einrichtung galt seinerzeit als modernste im Bereich der Kindergartenpädagogik.

Bis zu ihrem Tod am 25. August 1899 engagierte sich Henriette Schrader-Breymann im Ausbau des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Ihr Leben widmete sie der Reformpädagogik und der Frauenbildung.

Zu ihrer Erinnerung sind in Wolfenbüttel und Braunschweig Straßen nach ihr benannt, in ihrem Geburtsort trägt ein Jugendheim ihren Namen. Außerdem wird Henriette Schrader-Breymanns Wirken durch eine gleichnamige Gesamtschule in Wolfenbüttel gewürdigt.


Text: Dr. Gudrun Heuschen

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Kontakt > Tourist-Information 


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Tel.: 05331 86-399
E-Mail: Simone.Reese@Wolfenbuettel.de


Weitere Informationen zu Henriette Schrader-Breymann
...gibt es im > Bürger Museum Wolfenbüttel
...sind auf der Website der > Stadt Wolfenbüttel zu finden
...oder im Faltblatt zum Herunterladen > HIER.

 

Der frauenORT Henriette Schrader-Breymann entstand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Wolfenbüttel und einer Arbeitsgruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger und wurde im September 2015 eröffnet.

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