Karin Fischer, GB Hansestadt Lüneburg
Ob als akademisch gebildete Lehrerin oder Vorstandsmitglied des Männerturnvereins: Elisabeth Maske war in ihrem Wirkungskreis stets die „Erste“. Nach ihrem Studium unterrichtete sie am Lyceum, der heutigen Wilhelm-Raabe-Schule, und leitete ab 1897 die Damenabteilung des MTV Lüneburg. Dort trug die begeisterte Turnerin das noch junge Frauenturnen – ohne Korsett und in kurzen Hosen – in die Öffentlichkeit. Sie initiierte das erste Kreisfrauenturnfest und förderte die moderne Rhythmische Gymnastik. Für ihre erfolgreiche Vorstandsarbeit wurde sie 1930 als erstes weibliches Ehrenmitglied des Deutschen Turnerbundes ausgezeichnet.
Turnen ohne Korsett – Marie Conradine Elisabeth Maske, genannt Lia Maske, hat bahnbrechend dazu beigetragen, Frauen den Zugang zu sportlicher Betätigung zu ermöglichen.
Am 12. Mai 1860 wurde sie in Lüneburg als Tochter des Stadtbaumeisters August Maske und seiner Frau Johanne Antoinne Lindemann geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete ihr Vater die Schwester seiner verstorbenen Frau. Lia Maske war das älteste von fünf Geschwistern und Halbgeschwistern, die von ihren Eltern fortschrittlich erzogen wurden. Mit 16 Jahren schrieb sie sich im Lehrerinnenseminar Henriette Schrader-Breymanns in Wolfenbüttel ein und arbeitete im Anschluss einige Jahre in Schlesien und der Schweiz, bevor sie 1889 nach Lüneburg zurückkehrte.
Als 1895 die Universität Göttingen für Frauen geöffnet wurde, war Lia Maske eine der ersten Studentinnen, die mit einer Sondergenehmigung Französisch, Naturwissenschaften, Geschichte, Kunstgeschichte und Wirtschaft studierte. Bereits 1897 schloss sie das Studium mit Staatsexamen in Berlin ab und unterrichtete ab 1897 bis 1925 in ihrer Heimatstadt Lüneburg am Lyceum, der heutigen Wilhelm-Raabe-Schule.
Über ihr gesamtes Leben hinweg spielte der Sport eine bedeutende Rolle. Als Kind mit großem Bewegungsdrang besuchte sie bereits als Siebenjährige die Mädchenturnschule des MTV, obwohl das Turnen im 19. Jahrhundert noch männlich geprägt war. Der Zweck der körperlichen Bewegung war die Ertüchtigung für Kriegszwecke, ein als absolut unweiblich konnotiertes Ziel. Ab 1890 wurde sie Mitglied der Damenabteilung und wurde dort nach Abschluss ihrer Ausbildung Vorturnerin und von 1897 bis 1919 Vorsitzende der Damenabteilung.
Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Lia Maske in einem Lazarett. Nach Kriegsende setzte sie sich erneut dafür ein, dass Frauen im MTV mehr Rechte bekamen. Durch eine Satzungsänderung, für die Lia Maske sich stark gemacht hatte, wurden Frauen als den Männern gleichberechtigte Mitglieder aufgenommen und erhielten auch im Vorstand Stimmrecht. Seit dem 27. Februar 1919 war Lia Maske die erste Frau im Vereinsvorstand und arbeitete dort bis 1932 engagiert mit.
Als Vorstandmitglied setzte sie vieles in Bewegung: Gegen Widerstände setzte sie männlich konnotierte Sportarten wie Radfahren, Rudern, Schwimmen, Eishockey und Skispringen für Frauen durch. Ebenso gelang es ihr, mehr Bewegungsfreiheit für Mädchen und Frauen durch die Erlaubnis zum Tragen neuer Sportkleidung zu erreichen. Auf Kreisebene wirkte sie als gewählte Vertreterin der Turnerinnen und erwirkte, dass Frauen 1921 erstmals an Wettkämpfen teilnehmen konnten. Ebenso initiierte sie 1926 das erste Kreisfrauenturnfest.
Lia Maskes Engagement für Frauen im Sport wirkte über Niedersachsen hinaus. Im Mai 1930 wurde sie erstes weibliches Ehrenmitglied der Deutschen Turnerschaft.
Sie starb am 29. September 1937 in Lüneburg.
Text: Dr. Gudrun Heuschen
Stadtrundgang
Elisabeth ‚Lia‘ Maske
Prospekt für selbstorganisierte Touren: Gleichstellungsbeauftragte@stadt.lueneburg.de
Stadtführung
„Von Frauen im 16. Jahrhundert bis zur Sportpionierin Elisabeth Maske“
Ein Spaziergang durch das Leben der Frauen im 16. Jahrhundert bis hin zur Sportpionierin Elisabeth „Lia“ Maske.
Tickets buchbar bei der > Tourist-Information Lüneburg
Tel. 04131 207 66 20
Der frauenORT Elisabeth Maske entstand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten von Hansestadt und Landkreis Lüneburg, dem MTV Treubund von 1848 e.V. sowie dem Stadtarchiv Lüneburg und wurde im November 2016 eröffnet.